Recycling: Wie aus Abfall Rohstoff wird
Recycling ist so ein Wort, das wir ständig hören. Wir stehen vor Containern, vor der Kehrichtsack-Rolle, vor dem Altglas und denken: „Kommt das jetzt hier rein? Oder doch woanders?“ Aber hinter diesen scheinbar simplen Fragen steckt ein spannendes System mit viel Technik, cleverem Design und einer guten Portion Alltagspraxis.

Was ist Recycling und was steckt dahinter?
Recycling bedeutet, dass Abfälle zu neuen Rohstoffen werden. Statt Dinge einfach zu verbrennen oder zu deponieren, werden sie so verarbeitet, dass daraus wieder Sekundär-Rohstoffe entstehen – also Materialien, die neue Produkte ermöglichen und Primärrohstoffe wie Erdöl, Erz oder Holz ersetzen.
Theorie schön und gut und wie sieht das konkret aus?
• Die Aludose vom Getränk landet im Metallrecycling und wird wieder zu Aluminium.
• Das leere Konfiglas wird eingeschmolzen und zu neuem Glas verarbeitet.
• Gut sortierte Kunststoffe können je nach Material zu neuen Verpackungen oder anderen Kunststoffprodukten werden.
Das wirkt im Alltag vielleicht unscheinbar, hat aber eine grosse Wirkung. Jedes korrekt recycelte Teil bekommt die Chance auf ein zweites Leben als neuer Rohstoff.
Der unsichtbare Energierucksack
Gehen wir etwas mehr ins Recyclingdetail, in die sogenannte graue Energie. Jedes Produkt kommt mit einem unsichtbaren Rucksack auf die Welt – der grauen Energie.
In diesem Rucksack steckt die Energie für die Rohstoffgewinnung, die Produktion, der Transport und die Verarbeitung. Wenn wir etwas einfach wegwerfen, werfen wir diesen ganzen Energierucksack gleich mit weg.
Beim Recycling passiert das Gegenteil. Wir verwenden diesen Rucksack weiter, wir holen mehr aus der bereits eingesetzten Energie heraus.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist Aluminium:
• Aus Bauxit (dem Erz) neues Aluminium herzustellen, braucht sehr viel Energie.
• Wird Aluminium recycelt, spart bis zu 95 % dieser Energie.
Mit anderen Worten, die recycelte Aludose ist ein kleiner Energie-Sparprofi.
Tipps aus dem Bruno Röllin Team – Markus Röllin, Leiter Werkstatt
«Beim Einkauf ans Recycling denken»
Für mich beginnt Recycling bereits im Laden. Ich achte auf Produkte mit möglichst einfachen, gut trennbaren Verpackungen und wähle, wo immer möglich, Mehrweg statt Einweg. Je „reiner“ und einfacher eine Verpackung aufgebaut ist, desto besser kann sie später tatsächlich recycelt werden und genau das hält den Kreislauf in Schwung.
Recycling in der Schweiz: Stark, aber noch nicht am Ziel
Die Schweiz ist ein Recycling-Land. 2023 lag die Recyclingquote bei 52 % – damit sind wir in Europa ganz vorne mit dabei. Und das ist kein Zufall: Das Sammelbewusstsein in der Bevölkerung ist hoch, die Infrastruktur gut ausgebaut. Was wir alles in der Schweiz getrennt sammeln und recyceln? Hier ein Überblick:
• Glas
• Papier & Karton
• Aluminium & Stahlblech
• PET-Getränkeflaschen
• Batterien
• Altöl
• Elektrogeräte
• Textilien (je nach Region)
• zunehmend auch Kunststoffe, je nach Sammelsystem
Klingt nach Erfolg – und ist es auch. Aber: Es gibt noch viel Potenzial. Alle aktuellen Zahlen rund ums Recycling finden Sie auf der Seite vom Bundesamt für Umwelt: www.bafu.admin.ch/de/newnsb/EcpWws7Ra2HcYI1J88uP4
Tipps aus dem Bruno Röllin Team – Reto Meier, stv. Geschäftsführer
«Nur echtes Altglas in den Container»
Reto Meier, stv. Geschäftsführer
In unseren Altglascontainern landen leider immer wieder Dinge, die dort nichts verloren haben: Keramik, Porzellan, Spiegel- oder Fensterglas zum Beispiel.
Diese „Störstoffe“ verschlechtern die Qualität des Recyclingglases und können den Prozess erschweren. Darum gilt: Nur Flaschen und Gläser ins Altglas, alles andere separat entsorgen.
Wo hakt es noch? Obwohl die Recyclingquote hoch ist und vieles schon gut funktioniert, gibt es ein paar Stolpersteine, die verhindern, dass das System seine volle Wirkung entfalten kann:
• Verwertbare Stoffe im Kehricht
Noch immer landen Glas, Metall, Papier, PET und andere Wertstoffe in der Kehrichtverbrennung und sind damit für den Kreislauf verloren.
• Störstoffe in den Sammlungen
Falsch entsorgte Materialien wie etwa Fensterglas im Altglascontainer oder Batterien im Kehrichtsack erschweren oder gefährden das Recycling. Batterien können z.B. Brände in Sammel- oder Sortieranlagen verursachen.
• Qualität statt nur Menge
Es reicht nicht, viel zu sammeln. Die Qualität der getrennten Sammlung ist entscheidend: Je sauberer und richtiger getrennt wird, desto besser lassen sich hochwertige Sekundär-Rohstoffe herstellen.
Tipps aus dem Bruno Röllin Team – Claudia Röllin, Marketing
«Sauber trennen – aber richtig»
Glasflaschen und Konfigläser müssen nicht blitzblank sein, aber sie sollten leer sein. Bei uns zu Hause bekommen sie oft zuerst ein „zweites Leben“:
Aus Konfigläsern werden zum Beispiel Kässeli, Windlichter oder kleine Gefässe für den Garten. Das ist mein persönliches Mini-Recycling vor dem eigentlichen Recycling.
Kinder lassen sich übrigens wunderbar einbeziehen: mit zur Sammelstelle nehmen, erklären, was wohin gehört oder mal an einem Ausflug in die Umwelt Arena in Spreitenbach machen – so wird Recycling von Anfang an selbstverständlich.
Gute Produkte, gutes Recycling
Zum Schluss noch ein Blick auf die Rezyklierbarkeit, denn gutes Recycling beginnt lange bevor ein Produkt im Abfall landet. Entscheidend ist, wie Verpackungen und Produkte entworfen werden. Wenn Hersteller möglichst einfache, gut trennbare Materialien einsetzen, etwa Glas, Aluminium oder sortenreine Kunststoffe, und auf unnötige Verbundmaterialien verzichten, steigen die Chancen, dass diese Produkte am Ende wirklich recycelt werden können.
Die Faustregel ist einfach: Je eindeutiger ein Material zusammengesetzt ist und je weniger Mischungen es enthält, desto besser funktioniert das Recycling. So wird aus Abfall wieder ein wertvoller Rohstoff und genau damit bleibt unsere Kreislaufwirtschaft in Bewegung.
Was wohin gehört, ist nicht immer auf den ersten Blick klar. Ein hilfreicher Begleiter im Alltag ist das Recycling-ABC von Swiss Recycle: www.swissrecycle.ch/de/wertstoffe-wissen/recycling-abc


